Mein erstes Jahr Selbständigkeit in der größten Gesundheits- und Wirtschaftskrise

12.01.2021 | Allgemein

Der Anfang vom Ende

Mit Anfang des Jahres 2020 startete ich endlich in meine „Vollzeit-Selbständigkeit“. Diesen Schritt zu gehen hat mich einige Jahre, sehr viel Energie und viele schlaflose Nächte gekostet.
Doch schon im ersten Monat öffneten sich viele neue Türen und ab Mitte Februar zeichnete sich durchaus positive Prognosen ab.
Jeder Selbständige pflichtet mir sicher auch bei, dass es eben auch selbst und ständig zu arbeiten bedeutet – vor allem in den ersten Jahren. Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel 🙂
Bis zum ersten Lockdown Mitte März war ich schon sehr überarbeitet. Soziale Kontakte außerhalb des Berufes und Zeit mit dem Partner waren bis dahin sehr rar. Ehrlicherweise muss ich auch dazu sagen, dass ich ein Mensch bin, der sich selbst viel Druck auferlegt und es sicher auch etwas leichter ginge.

Im Jänner gab es schon Berichte über ein neuartiges Virus in China. Vielleicht ging es anderen auch genauso, jedoch war das Thema für mich noch sehr weit weg und ich dachte, dass es uns hier in Österreich nie betreffen wird. Mitte März kam dann alles anders als erwartet.

Lockdown 1.0

Ich kann mich noch genau daran erinnern. Es war ein Donnerstag und die ersten Meldungen von Schulschließungen waren in den Medien zu hören. Alle Kindertrainings wurden schon abgesagt. Erst hier wurde mir der Ernst der Lage bewusst und auch klar, dass ich wohl in nächster Zeit viel weniger Arbeit haben werde. Das wiederum bedeutet Verluste meiner Einnahmequellen. Die Kacke war also ordentlich am Dampfen. Emotional konnte ich das zu dieser Zeit nur schwer verdauen, da auch stündlich neue Informationen auf uns alle einprasselten. Am nächsten Tag war mir dann klar, dass meine Branche nicht mehr arbeiten darf. Nach und nach wurde dann auch von Regierungsebene kommuniziert, dass es einen Lockdown geben würde und nur noch die systemrelevanten Berufe arbeiten dürfen. Büroarbeiten sollen auf Homeoffice umgestellt werden.

Diese Meldungen versetzten mich regelrecht in einen Schockzustand. Zum einen war da ein Virus von dem wir noch nichts wussten und dadurch befanden wir uns plötzlich in einer Krise, die es seit dem 2. Weltkrieg in Österreich nicht mehr gab und zum anderen war da plötzlich viel Ungewissheit in Bezug auf meine berufliche Zukunft. Wurde mit einem Schlag mein Traum zerschlagen?

Get the best out of you!
Nachdem endlich klar war, dass auch Neugründer Anspruch auf den Härtefallfond haben, konnte ich endlich auch etwas Positives aus dem Lockdown ziehen. Ich hatte ohne Stress Zeit für mich und meinen Partner. Wir haben gepuzzelt, gemalt, trainiert…etc. Waren an der frischen Luft. Quality Time, die ich mir schon lange nicht mehr gegönnt hatte. Energie tanken.
Natürlich habe ich weiterhin, so gut es eben möglich war, gearbeitet. Viel liegengebliebenes aufgearbeitet. Neue Ideen gesammelt, neue Chancen ergriffen.

Zurück zur Normalität?

Ab Mitte Mai gab es erstmals Lockerungen und ich durfte das erste Mal wieder mit anderen Menschen vor Ort arbeiten. Es wurde im Freien Kinderstunden abgehalten. Im Sommer waren zum Glück auch Sommercamps erlaubt, die ein großer Erfolg waren. Natürlich. Kinder wollten wieder mit anderen Kindern spielen und turnen. Spaß haben. Kind sein.
Da der Sommer sehr positiv verlaufen ist, viele Menschen Hoffnung verspürten und versprühten, dachte ich ernsthaft an eine Normalität im Herbst. Diese Hoffnung wurde mir jedoch bald wieder genommen. Zwar durfte ich wieder – unter strengen Auflagen – mit Kindern in einer Halle turnen, das Vergnügen war jedoch nur von kurzer Dauer.
Seit Anfang November herrscht in meiner Branche wieder tote Hose. Kindergärten und Schulen habe ich seit Mitte März nicht mehr von innen gesehen und dieser Zustand wird für externe Trainer wohl noch länger anhalten. Mich persönlich stimmt es sehr traurig, dass sehr vieles auf den Rücken der Kinder (vor allem Kleinkinder) ausgetragen wird und ich von Regierungsseite noch kein einziges Mal Infos zum Aufbau eines starken Abwehrsystem/Immunsystem gehört habe, stattdessen nur Dinge, die nicht gemacht werden dürfen.

Noch lebe ich meinen Traum und werde alles daran setzen, dass dies auch so bleibt.  Auch Dank einer super Community, die mich sehr unterstützt und mir Kraft zum Durchhalten gibt.
Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass diese Situation noch nicht an meiner mentalen Fitness und meinen Nerven zerren, denn ich sehe leider noch immer kein Licht am Ende des Tunnels.

Zusammenfassung

Es kann immer etwas unvorhersehbares passieren. Jedes negative Ereignis hat auch etwas positives an sich und öffnet eventuell neue Türen. Ergreife sie, denn alles hat seinen Grund. Mache das Beste aus Situationen und lass den Kopf nicht hängen. Schau nach vorne. Reflektiere dich und deine Arbeit.

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